Haben Sie noch ein Stück „Schwarze Jule“?

Die Festlichkeiten zum 125jährigen Jubiläum der Forster Stadteisenbahn sind vorüber. Es gab viele Aktivitäten seitens des Forster Museumsvereines, der sich der Bewahrung der „Schwarze Jule“ angenommen hat. Neben dem Aktionstag und einem geführten Rundgang über das Gelände des ehemaligen Stadtbahnhofes gab es auch eine Ausstellung zur Geschichte der Stadteisenbahn.

Doch damit ist die Aufarbeitung noch nicht erledigt. Es warten weitere Projekte darauf, in Angriff genommen zu werden. Auch zukünftig soll an dieses besondere Stück Forster Industriegeschichte erinnert werden.

Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass doch noch einige historisch bedeutsame Objekte der ehemaligen Stadtbahn in privaten Kellern, Garagen und Gärten schlummern.

Der Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) bittet alle Besitzer dieser „Schätzchen“, Maschinenteile (Relikte der Loks, Rollböcke, Spurwagen), Werkzeuge, Schienentechnik und andere Objekte sowie Originaldokumente mit Bezug zur „Schwarzen Jule“ für zukünftige Ausstellungszwecke zu Verfügung zu stellen.

Interessenten/Leihgeber können sich dazu jederzeit an folgende Kontaktpersonen wenden:

Kristian Schmidt
Vorsitzender des
Forster Museumsvereins
03562 662704

oder

Michaela Zuber
Leiterin Brandenburgisches Textilmuseum Forst
03562 97356

 

Forster Geschichtsstammtisch auf den Spuren der „Schwarzen Jule“

Mit dem 53. Forster Geschichtsstammtisch fanden auf dem Gelände des ehemaligen Stadtbahnhofes die Veranstaltungen rund um das Jubiläum „125 Jahre Forster Stadteisenbahn“ am vergangenen Donnerstag ihren vorläufigen Abschluss. Rund 80 an Heimat- und Industriegeschichte Interessierte versammelten sich im ehemaligen Lokschuppen, um mehr über die „Schwarze Jule“, wie die Bahn im Volksmund genannt wurde, und den noch erhaltenen Gebäudekomplex zu erfahren.

Es ist heute ein geschichtsträchtiger Tag!“, wies Uwe Zeihser, Leiter der Arbeitsgruppe „Stadteisenbahn“ im Museumsverein, zu Beginn seiner Ausführungen auf die Bedeutung dieses 31. Mai hin. Auf den Tag genau vor 125 Jahren wurde die Forster Stadteisenbahn feierlich eingeweiht. Zuvor wurden innerhalb von 8 Monaten mehr als 17 km Gleise mit einer Spurweite von 1000 mm im Forster Stadtgebiet verlegt, gleich neben dem Staatsbahnhof entstand der Betriebsbahnhof der Forster Stadteisenbahn. „Es ist erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit damals gebaut wurde. Man denke nur daran, wie lange die Baufirmen für die paar Hundert Meter in der Spremberger Straße benötigt haben!“, zog Uwe Zeihser einen Vergleich zur Gegenwart.

Anhand von Fotos und Plänen bekamen die Zuhörer einen kleinen Einblick in die Abläufe auf dem Betriebsbahnhof der Jule. Zum Zeitpunkt der Eröffnung waren die wichtigsten Gebäude fertig gestellt. Neben mehreren Schuppen für die Schmalspur- und Regelspur-Lokomotiven gab es u.a. ein Verwaltungsgebäude, eine Reparaturwerkstatt, ein Lagerhaus und ein Maschinenhaus. 1907 kam noch das Zollgebäude dazu. Auf dem Gelände des Stadtbahnhofes befanden sich zum damaligen Zeitpunkt außerdem 1300 m Regelspurgleise, 1800 m Schmalspurgleise, 29 Weichen und 3 Rollbockgruben. Zum Fuhrpark gehörten anfangs 20 offene und 5 gedeckte Waggons in Schmalspurgröße, 30 Paar Rollböcke, 6 Schmalspur- und 2 Regelspur-Lokomotiven.

Das europäisch nahezu einmalige Ensemble von Teilen des denkmalgeschützten Betriebsbahnhofes ist weitgehend noch erhalten geblieben und steht derzeit unter Insolvenzverwaltung. Ein den Besuchern des Geschichtsstammtisches exklusiv gezeigter Film mit Innenaufnahmen der Gebäude bezeugt jedoch den langsam beginnenden Zerfall der Gebäude. Schimmel im Dachgebälk und undichte Dächer sind für den Forster Museumsverein alarmierende Vorboten. „Wenn nicht bald damit begonnen wird, wenigstens den derzeitigen Ist-Zustand zu sichern, geht uns in wenigen Jahren ein historisch bedeutsamer Teil der Forster Stadt- und Industriegeschichte für immer unwiederbringlich verloren!“ betont Uwe Zeihser die Dringlichkeit zum Handeln. Gerne würde er dafür auch die Stadt Forst mit ins Boot holen. Zwar habe der Denkmalschutz ein gehöriges Wort mitzureden, so Uwe Zeihser, allerdings besäße der Gebäudekomplex auch jede Menge Potential für eine sinnvolle Nachnutzung.

Bevor es zu einer kurzen Führung über das Gelände ging, wies Uwe Zeihser auf eine große Informationstafel hin, die der Museumsverein im vorderen Teil des Lokschuppens aufgestellt hatte. Darauf zu erkennen die Anordnungen der Gebäude sowie ein Gleisplan des Stadtbahnhofes. Gesponsert wurde diese Infotafel von der Firma FORwerk GmbH aus Forst.

Von den Rollbockgruben ist auf dem Freigelände leider nichts mehr vorhanden. Die Auswertung der Daten, für die eine Spezialfirma vor kurzem elektromagnetische Messungen des Untergrundes vornahm und von denen man sich Aufschlüsse über evt. Reste der Rollböcke erhofft, dauert noch an. Beim abschließenden Rundgang zeigte Uwe Zeihser die einstige Lage der drei Gruben. Vorbei am Lagergebäude und am Verladegleis ging es anschließend weiter bis zum ehemaligen Sozialgebäude, in dem sich damals Umkleideräume und ein Aufenthaltsraum befanden.

Der Dresdner Ralf Hauptvogel, Eisenbahnexperte und bekennender „Jule-Fan“, hatte für die Besucher des Stammtisches noch eine kleine Überraschung parat. Wer wollte, konnte sich eine Gedenkkarte zum Geburtstag der Schwarzen Jule mit nach Hause nehmen. Auf dieser Karte befinden sich zwei Original-Stempel – je einer der „Forster Stadteisenbahn“ und der „Forster Verkehrsbetriebe“.

Forst feiert seine „Schwarze Jule“

„Ihr habt heute eine tolle Show gemacht!“, lobte Christian Menzel, akademischer Mitarbeiter im Lehrstuhl Eisenbahnwesen an der BTU Cottbus und erklärter Liebhaber der Forster Stadteisenbahn, am späten Abend die Organisatoren vom Museumsverein Forst (Lausitz) für die vorangegangenen Stunden. Anlässlich des 125jährigen Jubiläums der Gründung der Forster Stadteisenbahn, im Volksmund manchmal liebevoll, manchmal ehrfürchtig „Schwarze Jule“ genannt, gab es einen zweigeteilten Aktionstag im Forster Stadtgebiet.

Eröffnet wurde das Fest Punkt 11:00 Uhr in der Halle des Feuerwehrgerätehauses Mitte. Hier steht das einzig verbliebene Objekt der Begierde vieler Eisenbahn-Fans, Historiker, Technik-Freaks und natürlich auch der Forster – die Original-Lok der Stadteisenbahn mit der Betriebsnummer 36. Erbaut wurde das Ungetüm im Jahr 1893, dem Gründungsjahr der Forster Bahn.

In Anwesenheit der Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek und der Forster Rosenkönigin Jessica I. begrüßte Kristian Schmidt, Vereinsvorsitzender des Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz), zahlreiche Forster und Gäste der Stadt. Viele Eisenbahn-Liebhaber aus Nah und Fern nahmen den Weg nach Forst, um sich die seltene Gelegenheit der öffentlichen Präsentation der Jule nicht entgehen zu lassen. „Ich appelliere an die Forster Stadtverordneten, ihren Beschluss aus dem Jahre 2016 schnellstmöglich umzusetzen, damit dieses Provisorium ein Ende hat“, so Schmidt in seiner kurzen Begrüßungsrede. Die Lok ist nur eine Leihgabe des Dresdner Verkehrsmuseums, befristet auf zunächst 15 Jahre mit der Vereinbarung, die Lok einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Von diesen 15 Jahren sind bereits 6 Jahre ins Land gegangen, ohne dass sich an der Ausgangslage etwas geändert habe.
Auch Simone Taubenek stieß in ihren Grußworten in die gleiche Kerbe und will sich dafür stark machen, dass die Jule endlich einen würdigen Platz für eine ständige Präsentation bekommt. Dazu möchte sie auch das Land Brandenburg und den Bund ins Boot holen. „Die Jule ist eine Bereicherung für die Region und könnte ein Anziehungsmagnet für die Stadt werden.“, so Taubenek.

Spontan meldete sich Sven Bracke, Kustos im Verkehrsmuseum Dresden, zu Wort: „Wir als Eigentümer der Lok sind offen für neue Gespräche, falls der Zeitplan der Umsetzung nicht ganz eingehalten werden kann. Uns ist es jedoch wichtig, dass die Lok einen sicheren Standort bekommt, wo sie trocken und vor Schäden geschützt untergebracht wird!“. Applaus von den anwesenden Zuhörern brandete auf für diese frohe Nachricht.

Natürlich gab es auch Geschenke für das Geburtstagskind. Christian Menzel überreichte an Kristian Schmidt eine originalgetreue Heizerschaufel, wie sie bei der Forster Stadteisenbahn im Einsatz war. Jessica I. befestigte einen Blumengruß an der 125 Jahre alten Lok.

Bevor das grüne Schmuckstück endlich von den Besuchern in Besitz genommen werden konnte, sang der Chor des DRK-Kreisverbandes Forst Spree-Neiße unter der Leitung von Manfred Meier das von ihm komponierte „Lied der schwarzen Jule“.

Dann endlich war es soweit und die Gäste durften „ihre“ Lok Nr. 36 in Augenschein nehmen.

Am Nachmittag verlagerte sich das Geschehen ins Brandenburgische Textilmuseum. Auf dem Hof des Museums hatte der Verein die erste Überraschung vorbereitet: Jessica I. und die Showgruppe „Ravenchild“ in ihren endzeitlich anmutenden Kostümen enthüllten gemeinsam einen Waggon, der auf Rollböcke aufgesetzt ist. Eindrucksvoll und verständlich lässt sich so das Prinzip der Rollbock-Technologie veranschaulichen.

Im Treppenhaus des Museums warteten unterdessen die ersten Besucher auf die Eröffnung der neuen Sonderausstellung „125 Jahre Forster Stadteisenbahn“. Gezeigt werden neben Schautafeln mit vielen Fotos, Gleisplänen und den Vorschlägen zum Aus- bzw. Umbau des Museum auch Original-Zubehör wie eine Signalglocke oder die große Bahnhofsuhr. Hingucker besonders für die kleinen Besucher sind die Modellbahnanlagen. Besonders der Nachbau des ehemaligen Stadtbahnhofes zog die Blicke auf sich. „Bis kurz vor Ausstellungsbeginn haben wir noch an den Modellen gewerkelt, damit es authentisch aussieht“, so Volker Böhme vom Modellbahnclub Forst.

Besonders groß war der Andrang für die Premiere des Filmes „Die Schwarze Jule – eine Eisenbahnlegende aus Forschte“. Nicht alle Zuschauer fanden in dem kleinen zum Kinosaal umgerüsteten Raum einen Platz.
Kristian Schmidt würdigte in einer kurzen Ansprache die Beteiligten des Filmprojektes. Einzeln wurden die Filmemacher nach vorn gerufen und erhielten als kleine Erinnerung und als Dankeschön eine Holz-Tafel mit einem darauf befestigten Original-Schienenstück. Aus den Händen der Rosenkönigin gab es einen Beutel voller Präsente, natürlich auch mit der DVD zum Film.

Viel Lob von den Zuschauern gab es nach der Premiere. „Der Film ist einmalig schön“, hörten die Filmemacher nach der Vorführung immer wieder. Viele bedankten sich auch dafür, dass die Geschichte der Jule für die nachfolgenden Generationen filmisch aufgearbeitet und somit konserviert wurde.
Am Verkaufsstand auf dem Museumshof gab es im Anschluss an die Filmpremiere die DVD käuflich zu erwerben. Einige Besucher kauften gleich mehrere Exemplare für Familienmitglieder und Freunde, die nicht mehr in Forst wohnen, dennoch immer noch eine Bindung zu ihrer Heimatstadt haben. Auch ein großformatiger Wandkalender für 2019 sowie Postkarten mit Sonderstempel fanden reißenden Absatz.
Auf Grund der großen Nachfrage wurde der Film noch zwei weitere Male gezeigt.

Sehr zufrieden mit der Resonanz zeigte sich am Abend Museumsvereinschef Kristian Schmidt. „Ich denke, es war ein gelungener Aktionstag mit vielen Höhepunkten. Der Zuspruch und das Lob der vielen Gäste freut uns natürlich sehr. Nur leider haben wir keinen unserer Stadtverordneten unter den Besuchern entdecken können.“, bedauert Schmidt das geringe Interesse seitens der Abgeordneten für dieses Unikat der Forster Industriegeschichte, mit dem man deutschlandweit für Aufmerksamkeit sorgen könnte, wenn man wirklich hinter der Sache stehen würde.

Impressionen vom Aktionstag

Bereits am kommenden Donnerstag finden die Jubiläumsfeierlichkeiten ihre Fortsetzung. Beim Forster Geschichtsstammtisch auf dem Stadtbahnhof in der Karl-Liebknecht-Straße gibt es dann viel Wissenswertes über das historisch bedeutsame Gebäudeensemble zu erfahren. Beginn ist um 18:00 Uhr, der Eintritt ist frei.