Auf den Spuren der "Schwarzen Jule"

Vorweg ein paar wichtige Hinweise für Radtouristen:

Die Gleise der Forster Stadteisenbahn führen zum Teil dicht an die Bordsteinkante heran. Normalerweise gibt es genügend Abstand zwischen Kante und Gleisbett, so daß man ungefährdet als Radfahrer durchkommt. Es gibt aber auch Straßenabschnitte, wo am Fahrbahnrand geparkt wird. Hier wird man als Radfahrer gezwungen, gleismittig die parkenden Fahrzeuge zu überholen. Die noch vorhanden Gleise verlaufen nicht immer erdig mit dem Straßenbelag. Außerdem sind nicht immer die Rillen der Schienen mit Asphalt überdeckt. Man versucht zwar ständig seitens der Stadt, die Kanten zu entschärfen, trotzdem ist die Gefahr sehr groß, daß man beim Ausscheren in die Gleise gerät und nicht mehr Gegenlenken kann. Ein Sturz ist dann meistens unvermeidlich! Ungeübte Radfahrer sollten deshalb lieber absteigen und auf dem Bürgersteig die geparkten Fahrzeuge passieren. Geübte Radfahrer können auch versuchen, in einem möglichst großen Winkel die Gleise zu kreuzen (nachfolgenden Verkehr beachten!).

Wir beginnen unsere Erkundungstour am DB Bahnhof Forst. Das Bahnhofsgebäude im Rücken wenden wir uns nach rechts und fahren die Sorauer Straße entlang, über die Kreuzung am Bahnübergang bis zum Brandenburgischen Textilmuseum, einem großen Backsteinbau auf der rechten Seite. Dort sind die ersten Spuren der "Schwarzen Jule" zu entdecken. Deutlich sichtbar sind Gleise, die in die ehemaligen Werkshöfe führen, sowie ein Gleis, welches im Kreuzungsbereich in die Planckstraße führt. Auch in dieser Straße sind Werkseinfahrten erkennbar.

Wir verlassen die Planckstraße an der nächsten Kreuzung und biegen rechts in die Max-Fritz-Hammer-Straße ein. Auch hier finden wir einige Meter Gleise, die wiederum in ein Fabrikgelände führen.

Vor der Mühlgraben-Brücke biegen wir links in die Kleine Amtstraße und folgen dem weiteren Straßenverlauf, vorbei an Bürgerzentrum (im Volksmund "Kreml" genannt), der Stadtkirche und dem Lindenplatz. Hinter dem Lindenplatz (Parkplatz) biegen wir rechts in die Kirchstraße und sehen bald darauf neue Gleisabschnitte, die in die Heinrich-Werner-Straße führen. Das Gleis geradeaus in der Kirchstraße endet ebenfalls in einem Fabrikhof.

Viel interessanter ist der Gleisverlauf in der Heinrich-Werner-Straße. An der Kreuzung Heinrich-Werner-Straße / Schützenstraße erkennen wir auf der Kreuzungsmitte eine Gleiskreuzung im rechten Winkel. Natürlich konnte keine Bahn diesen 90°-Winkel fahren, hier trafen sich ganz einfach zwei Fahrtrichtungen. Wie eng jedoch der Radius wirklich war, den die Stadteisenbahn manchmal befahren mußte, erkennen wir bei den Werkseinfahrten ein paar Meter weiter (heutiges Betriebsgelände Fa. Mrose).

Wir fahren in der Heinrich-Werner-Straße geradeaus entlang der Gleise und sehen erneut Werkseinfahrten auf der linken und wenig später auf der rechten Straßenseite. 

Am Ende der Heinrich-Werner-Straße biegen wir nach links in die Inselstraße und fahren bis zur Kreuzung Gubener Str. / Inselstraße. Wir wenden uns nach rechts und folgen der Gubener Straße. Hier finden wir den längsten zusammenhängenden Streckenabschnitt. Die Hauptlinie ist auf der linken Fahrbahnseite zu erkennen, von dort gehen immer wieder Gleise ab, die z.T. scheinbar in Privatgrundstücke münden. Deutlich sichtbar ist dieser Effekt bei einer gelben Fabrikantenvilla auf der rechten Seite. Erst bei genauerem Hinschauen erkennt man, daß sich dahinter ein weitläufiges Betriebsgelände befindet.

Wir folgen den Gleisen bis zum ehemaligen Schlachthof. In der dahinter befindlichen Alsenstraße erreicht das Streckennetz der Forster Stadteisenbahn alsbald ihren nördlichsten Punkt.

Wer nicht soweit fahren möchte, dreht auf Höhe des Repo-Marktes um und fährt zurück bis zur ersten Abbiegung rechts. In der Alexanderstraße sehen wir eine gut erhaltene Besonderheit, eine so genannte Ausweiche. In einer solchen Ausweiche konnten die vollen Wagons abgestellt werden. Die Lok hatte dann die Möglichkeit, sich ans andere Ende der Wagenkolonne zu setzen, um die Wagons je nach Fahrtrichtung zu ziehen oder zu schieben. Zur Erklärung: In die Fabrikhöfe wurden die Wagons meistens geschoben, da keine Wendemöglichkeit für die Loks vorhanden waren.

Am Ende der Alexanderstraße biegen wir links in die Frankfurter Straße ein. An der nächsten Kreuzung Virchowstr. / Frankfurter Straße bleiben wir kurz am Sparkassen-Container stehen und wenden unseren Blick zurück. An einer Häuserfassade entdecken wir ein Großgemälde der "Schwarzen Jule".

Wir fahren weiter bis zum Berliner Platz. An der dortigen Ampelkreuzung biegen wir rechts in die Cottbuser Straße ab und folgen ihr bis zur nächsten Kreuzung. Dort biegen wir links in die Bahnhofstraße.

Wer genau hinschaut, dem fällt in Blickrichtung auf der rechten Fahrbahnseite die etwas "unordentliche" Pflasterung der Straße auf. Hier wurden nach Ende des Betriebes der Stadteisenbahn die Gleise herausgerissen und die entsprechenden Abschnitte neu gepflastert. Auch wenn nun keine Gleise mehr sichtbar sind, erkennt man deren ehemaligen Verlauf.

Geradezu wird nun unser Ausgangspunkt, der Forster Bahnhof, wieder sichtbar. Wir fahren darauf zu, biegen jedoch eine Kreuzung vorher nach rechts in die Albertstraße ab und folgen den dortigen Gleisen. Nach etwa 200 Metern machen die Gleise einen Bogen nach links und führen auf ein Betriebsgrundstück: Wir haben den ehemaligen Stadtbahnhof erreicht. Hier befanden sich die Lokschuppen, das Verwaltungsgebäude und die Rollbockgruben, wo die Wagons von normaler Schienenspur (heutiges Eisenbahnnetz) auf die für Forst typische Schmalspur umgesetzt wurden.

Das Gelände gehört heute der Fa. Cospeed, man sollte sich vor Betreten des Betriebsgeländes erkundigen, ob eine Besichtigung des Geländes gestattet wird.

Vom Stadtbahnhof erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt, den DB Bahnhof.

 

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Die Forster Stadteisenbahn

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